Pflegekater Henry - Tierschutzverein Katzenhilfe WAF e.V.

Banner KKW
Logo
Direkt zum Seiteninhalt

Pflegekater Henry

Dies & Das > Archiv
Hallo, ich bin Henry, und ich war ein Pflegekater
- übersetzt von  Bianka Tewes -
Wie es dazu kam, warum ich jetzt kein Pflegekater mehr bin und was ich von Ihnen will, das erzähle ich Ihnen jetzt. Dauert auch nicht lange!
Pflegekater werden ist nicht schön, weil es bedeutet, dass man sein Zuhause verloren hat. In meinem Fall kam es dazu, weil meine Leute umzogen und mich nicht mitnehmen wollten. Katzen können auch selbst für sich sorgen, meinten sie, setzten mich vor die Tür und fuhren ohne mich weg. Da saß ich nun. Okay, so toll war mein Zuhause nicht gewesen. Ich habe heute noch Angst vor Händen, weil ich öfter mal eine gelangt kriegte. Aber immerhin hatte ich jeden Tag mein Essen serviert bekommen. Jetzt stand ich auf der Straße und hatte keine Ahnung, wie um alles in der Welt ich für mich selber sorgen sollte. Ich bin eine Hauskatze, das hat mir keiner beigebracht!

Schließlich wurde ich vom Tierschutz aufgesammelt und in eine Pflegestelle gebracht. Dort kriegte ich erstmal ein Zimmer für mich und konnte mich in Ruhe eingewöhnen. Jeden Tag kam mein Pflegefrauchen mit einer leckeren Mahlzeit, machte mein Klo sauber und saß einfach bei mir. Manchmal redete sie mit mir, oder sie las mir was vor oder malte. Insgesamt machte sie eher einen harmlosen Eindruck. Offensichtlich hatte sie nicht vor, mich zu schlagen.
Darum kam ich immer öfter aus dem Pappkarton, in den ich mich verkrochen hatte, und ließ mich streicheln oder spielte mit meinem Pflegefrauchen. Eines Tages wurde die Tür zu meinem Zimmer ausgehängt und durch eine Gittertür ersetzt, sodass ich gucken konnte, was in der restlichen Wohnung so vor sich ging.  
Vor allem gingen dort andere Katzen vor sich. Genau genommen zwei. Kater, so wie ich. Wie es sich für Kater gehört, setzten wir uns alle an das Gitter, jeder auf seiner Seite, und brummten uns an. Nachdem wir auf diese Weise die Fronten geklärt hatten, wurde das Gitter auch mal für ein paar Stunden aufgemacht, und ich durfte
in der Wohnung herum laufen, mich aufbüscheln und mir ein paar Scheingefechte mit meinen neuen Mitkatern liefern. Zweimal wurde ich auch in eine Kiste gesteckt, und mein Pflegefrauchen fuhr mit mir weg. Ich befürchtete schon, dass ich nun wieder woanders hin käme, und schrie und jammerte ganz fürchterlich. Aber dann wurde ich nur von ein paar fiesen Frauen in Kitteln festgehalten, drangsaliert und mit einer Nadel gepiekt. Das fand ich nicht gut, aber anschließend durfte ich wieder in meine Pflegestelle. Und da war das Schreckliche dann schnell wieder vergessen.
Normalerweise wäre nun der Zeitpunkt gekommen, ein neues, endgültiges Zuhause für mich zu finden. Mir war ganz wehmütig. Aber ich schöpfte Hoffnung. Mein Pflegefrauchen meinte, ich müsse erst noch mehr Vertrauen zu Menschen fassen. Und die Frauen in den Kitteln hätten ja auch festgestellt, dass ich einen Atemwegsinfekt, eine Augenverletzung und eine Zahnfleischentzündung hatte. Solange das alles nicht ausgeheilt sei, könne ich auf keinen Fall in ein neues Zuhause.
Da war mir schon klar, dass ich ein Virus eingeschleppt hatte. Das PSV-Virus. Das ist im Tierschutz sehr gefürchtet. PSV ist die Abkürzung für: Pflegestellenversager. Es befällt das Pflegefrauchen, und das will einen dann nicht mehr hergeben.
Mein Pflegefrauchen hat das PSV-Virus ganz schwer erwischt, und darum hat der Tierschutzverein jetzt ein Riesenproblem und braucht ganz dringend Ihre Hilfe. Es gibt nämlich da draußen jede Menge Katzen wie mich. Katzen, die keiner mehr haben will und die irgendwo bleiben müssen, bis sie ein Zuhause finden. Und wenn alle Pflegefrauchen so schwächeln wie meins, dann gibt es immer weniger Pflegestellen! Eine Katastrophe für den Tierschutz!

Haben Sie vielleicht ein Plätzchen für die Katzen, die nicht soviel Glück hatten wie ich? Dann rufen Sie doch bitte die nette Frau Krüger an, die dafür gesorgt hat, dass ich zu meinem Pflegefrauchen kam und nun ein Zuhause habe. Ich finde, ich bin es ihr nun schuldig, dass ganz viele Leute sich als Ersatz für die Pflegestelle melden, die meinetwegen weggefallen ist!

Es grüßt Sie ganz lieb
Ihr Henry


Mehr von Bianke Tewes
Zwei heitere Bücher über das Zusammenleben mit Katzen

© Tierschutzverein Katzenhilfe Kreis Warendorf e.V.
11.12.2019
aktualisiert am
aktualisiert am
Zurück zum Seiteninhalt