Notabene - Tierschutzverein Katzenhilfe WAF e.V.

Banner KKW
Logo
Direkt zum Seiteninhalt

Notabene

Kastration
Dafür muss doch jemand zuständig sein!
- Bianka Tewes -

Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Sache, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot. (Fallbeispiel der Deutschen Verwaltungspraxis)

Wir befinden uns im Jahr 2014 nach Christi. Ganz Deutschland ist von der EU reglementiert. Ganz Deutschland? Nein!
Eine von biegsamen Gesetzen bevölkerte Ordnungsbehörde hört nicht auf, Widerstand zu leisten gegen die lästige Problematik, die die steuerzahlende Bürgerschaft mit der ausufernden Zahl an Straßenkatzen hat. Und das Leben ist nicht leicht für die Streuner, die sich in den von Menschen besetzten Industriegebieten, Kleingartenanlagen und Siedlungen durchzuschlagen versuchen …
Sie haben also ein Problem.
An Ihrem Arbeitsplatz, vor Ihrer Haustür, in Ihrem Garten tauchen immer mehr Katzen auf. Sie sehen nicht gesund aus, und sie vermehren sich rasant. Dafür muss doch jemand zuständig sein, denken Sie, die können doch hier nicht bleiben.
Wir leben in Deutschland. Hier ist alles geregelt. Und für alles gibt es doch eine zuständige Stelle. Irrtum.

Für Streunerkatzen ist keiner zuständig. Das werden Sie schnell merken, wenn Sie beim Ordnungsamt anrufen, das sich doch sonst zuverlässig und voller Freude auf jede noch so kleine Widrigkeit stürzt.
Die Katzen, die in Ihren Lebenskreis eingedrungen sind, so werden Sie zu hören bekommen, sind nämlich herrenlose Katzen, und für die ist die Kommune nicht zuständig. Bei Fundkatzen, die ganz eindeutig ihrem Besitzer abhanden gekommen sind, sieht das anders aus, zu deren ordnungsgemäßer Unterbringung ist die Kommune verpflichtet. Die Katzen, die bei Ihnen die Rabatten umgraben, sind aber keine Fundkatzen. Oder haben sie eine Tätowierung in den Ohren, einen Chip im Nackenfell oder wenigstens ein Halsband um? Na sehen Sie. Herrenlose Katzen! Da klafft, man soll es kaum für möglich halten, eine Zuständigkeitslücke in der deutschen Bürokratenlandschaft. Rufen Sie den Tierschutz an.
Aha, der Tierschutz also. Der ist dafür zuständig! Irrtum. Zuständig ist der Tierschutz nicht.
Denn der Tierschutz ist keine Behörde. Dennoch wird der Tierschutz anrücken, wenn Sie ihn anrufen. In einem klapprigen Auto voller Fallen und Körbe. Ein Mensch, den Sie höchstwahrscheinlich sehr wortkarg bis ruppig empfinden werden, wird tagelang manchmal bis spät in der Nacht Fallen ködern, Katzen in Transportkörbe umsetzen und schließlich mit der schreienden Fracht davon fahren.
Nun sind Sie erleichtert. Vorerst. Denn nach ein, zwei Tagen ist der Mensch wieder da. Und mit ihm die schreiende Fracht, die nun wieder in Ihre Rabatten entlassen wird. Das haben Sie sich so nicht vorgestellt. Wieso schleppt der Ihnen die Katzen wieder an? Kommen die denn nicht ins Tierheim? Ist der Mensch denn nicht dafür zuständig, Ihnen das Problem vom Hals zu schaffen? Der ist doch der Tierschützer, soll der sich doch drum kümmern!
Er hat sich drum gekümmert.
Hat sich drei Tage Urlaub genommen, ein Dutzend Katzen eingefangen, zum Tierarzt gekarrt, kastrieren lassen und die Tiere, die sich nicht anfassen lassen und vor Angst und Schmerzen hoch aggressiv sind, einen Tag lang nachversorgt. Die Anzahl der Katzen in Ihren Rabatten wird für die nächsten drei, vier Jahre auf ein Dutzend beschränkt bleiben; länger dauert ein Straßenkatzenleben in der Regel nicht. Es werden keine Jungen zur Welt kommen und keine weiteren Katzen zuziehen, denn das Dutzend hat sein Revier besetzt.
Mehr kann der Tierschutz nicht tun. Die Tierheime sind seit Jahren überfüllt mit Fund- und Abgabetieren und der nicht enden wollenden Flut an Kitten. Selbst diese zahmen Tiere mit Niedlichkeitsbonus können längst nicht mehr vermittelt werden. Für die wilden Streuner aus Ihren Rabatten ist deswegen leider kein Platz mehr. Und zuständig … tja, Sie sehen ja.
Wir können Ihnen nur mittelfristig helfen, indem wir Streuner einfangen und kastrieren lassen, um die Flut der Straßenkatzen einzudämmen, für die niemand zuständig ist.
Und langfristig? Langfristig wird sich nichts ändern, solange die Behörden die Katzen auf der Straße als „herrenlos“ klassifizieren, sich nicht zuständig erklären und die Verantwortung auf die ehrenamtlichen Tierschützer abwälzen. Wenn Sie Ihre Rabatten wieder ganz für sich haben wollen: Unterstützen Sie doch bitte die Forderungen Ihres örtlichen Tierschutzvereines nach einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für alle Katzen.
Stellen Sie sich bloß mal vor, es gäbe eine solche Kennzeichnungspflicht … dann wären mit einem Mal alle Katzen Fundkatzen und unterlägen der Zuständigkeit der Kommune!
Es gibt Dinge, die verlangen dringender nach Reglementierung als die Frage nach den Besitzverhältnissen an Hundekothaufen.
__________________________________________________________________________________

So definieren Ordnungsbehörden in der Regel Fundkatzen und herrenlose Katzen
Fundkatzen  sind einem Besitzer zuzuordnen. Sie sind tätowiert, geschippt oder tragen ein Halsband. Für diese Tiere ist die Ordnungsbehörde zuständig. Sie müssen vom Finder dort gemeldet werden. Herrenlose Katzen, so genannte Streuner, besitzen keines dieser Merkmale. Für sie ist niemand zuständig, schon gar nicht die Ordnungsbehörde! Sie haben als Tierfreund eine solche Katze z.B. gefüttert.
Es gibt Ordnungsämter, die Ihnen nun sagen:
Sie haben das Tier versorgt, und damit gehört es Ihnen!
__________________________________________________________________________________


© Tierschutzverein Katzenhilfe Kreis Warendorf e.V.
11.12.2019
aktualisiert am
aktualisiert am
Zurück zum Seiteninhalt